*geschmolzenes Schokoladen-Eis*

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Ablenkung hilft. Gegen alles. Gegen Hunger und Essen auch. Aber manchmal, manchmal lenkt dich die Wahl deines Ablenkungsmanövers in die Richtung, von deren schicksalhafter Lenkung du dich ablenken wolltest. Während deine Gedanken um Hunger und Essen kreisen, drehst du dich um dich selbst und um den Mittelpunkt dieses Kreises, der aus Hunger und Essen besteht. Und du merkst, dass du tun und machen kannst, was du willst - Hunger und Essen steht mit allem in Verbindung. Als Mittelpunkt unseres Lebens. Als würden wir leben, um zu essen. Morgen möchte ich nur leben und nicht essen. Morgen bin ich verabredet. Verabredet zur Ablenkung von Hunger und Essen. Ich gehe mit meiner Mum Shoppen. Dabei lassen sich die Vorteile der Ablenkung von Hunger und Essen auch direkt spüren: Beim Anprobieren der Sommermode. Solche Tage werden zu Mutter-Tochter-Tagen. Ganz klar. Und dauern an, solange die Geschäfte geöffnet und im Portemonaie Geld ist. Es lenkt vom Essen ab, aber genau dorthin lenkt mich meine Mutter früher oder später. Meistens eher früher, bevor die Geschäfte geschlossen und bevor wir das Geld ausgegeben und bevor ich Hunger habe. Aber sie hat Hunger und irgendwann irgendwo zwischen Drogerie und H&M werden wir vor einer Imbissbude zum Stehen kommen. Im Umgang mit solch einer Situation bin ich geübt. Ich wüsste darauf zu reagieren. Wie immer würde ich mir einen leichten Salat mit Ananas-Scheiben und Putenbrust ohne Dressing bestellen und könnte mit Leichtigkeit in der schweren, bratfettigen Luft mein leichtes, kalorienarmes Grünfutter mit einer ebenso leichten Plastikgabel meinen leichten Körper befüllen und mich anschließend noch genauso leicht wie vorher fühlen. Um genauso leicht im nächsten Jeansshop in die kleinsten Größen zu schlüpfen, dass die Hosenbeine nur so im Winde wehen. Ich würde zusehen, wie alle anderen um mich herum ihre aus abgestandenem Frittierfett geborgenen Pommes in zähflüssige Majonäse dippen und ihre Zähne in kindskopfgroße vor Fett triefende Burger schlagen und mit einem großen Schluck brauner Zuckerbrühe in ihre Kalorien-Kanalisation spülen. Höchstens bei dem Blick auf das Menü-Angebot lasse ich mal die Fantasie mit mir durchgehen und überlege, was ich mir aussuchen würde, wenn... ja, wenn was eigentlich? Die kalte Jahreszeit liegt mit den ersten warmen Frühlingstagen, die die Biergarten- und Eisdielen-Saison eingeläutet haben, hinter uns. Mein Auswärts-Essverhalten wird sich umorientieren und nach anderen Alternativen umsehen müssen. Pommes und Burger werden verdrängt von allen kalten Süßspeisen, die die Eismaschine hervorbringen kann. Pommes und Burger werden zu Spaghetti-Eis und Milchshake und mein Salat mit Ananas-Scheiben und Putenbrust ohne Dressing wird zu… einer Obstschale? Womöglich noch mit Sahne? Vielleicht gezuckert, ohne mein Wissen? Ohne mein Einverständnis? Es ist schon ein beunruhigender Gedanke, nicht zu ahnen, was einem im Restaurant oder Eiscafé aufgetischt wird, aber das eigentliche Problem für mich persönlich liegt woanders. Es ist nicht das Eis oder der Shake, nicht der Kalorien- oder der Fettgehalt. Es ist nur so, dass ich wie andere Menschen Angst vor Hunden haben, die über Kniehöhe hinausragen, Angst vor Eisbechern und Kuchenstücken habe, die größer als ein Schokoriegel sind. Ein von fremder Hand portionierter Becher Eis oder ein von fremder Hand geschnittenes Stück Kuchen verunsichert mich. Es macht mir einfach Angst, dass meine Disziplin beim Essen von Eis wie dieses in der Sonne schmelzen und mich genauso weich der Kontrolle gegenüber werden lassen könnte. Angst vor einem Essanfall. Dabei ist das Auswärtsessen, das Essengehen egal ob im Restaurant oder Café, Teil der Therapie. Und dabei gar nicht mal der unangenehmste Teil der Therapie. Also, wann esst ihr das erste Eis?

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27.4.09 15:24

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


donnerstags / Website (27.4.09 17:32)
Gar nicht! Weil ich aus bestimmten Gründen kein Eis essen möchte.......

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