* (Oster)Eier(er)sch(r)ecken *

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Eierschecke und Therapie. Diese beiden Worte standen im Raum und niemand bat sie zu bleiben. Unbemerkt und ungefragt machten sie es sich zwischen uns bequem. Der Kuchen Eierschecke stand in der Mitte des Esstisches und wir saßen drumherum. Das Thema Therapie stand im Raum und wir sprachen drumherum. Fast ein Drittel der Kuchenplatte war bereits leergegessen, während das Thema Therapie noch nicht mal richtig angeschnitten war. Für meine Familie war es der Abend des Ostersonntages, für mich war es der Abend des dritten Fastentages. Für mich waren die Kalorien und das Fett des Kuchens nicht nach meinem Geschmack und für meine Familie war das Gespräch über eine psychische Krankheit geschmacklos. Der Eierschecke hatte meine Mutter die Tür geöffnet. Sie hatte die Ofentür geöffnet und hatte sich von dem warmen süßen Duft verführen lassen. Sie hieß den Kuchen Willkommen. Dabei war es nichts als heiße Umluft. Die Therapie hatte mein Bruder sehr begrüßt. Er hatte das Wort in den Mund genommen und umso mehr davon kam heraus. Er hatte sich dazu hinreißen lassen. Dabei war es nichts als nur ein Vorschlag. Und kein willkommener Schlag, der vorkam. Die Eierschecke und die Therapie. Niemand hatte sie eingeladen, aber niemand wollte unverschämt sein. Niemand wollte ihre Anwesenheit in unseren Köpfen oder ihren Wortlaut in unseren Gesprächen verlängern. Sie standen da und niemand bat ihnen einen Stuhl an, aber jeder stürzte sich auf sie. Ich hätte die Eierschecke am liebsten sofort zurück in den Kühlschrank gestellt, weil sie mich nicht kalt ließ oder hätte sie noch lieber zurück in den Ofen geschoben, um ihre Kalorien zu verbrennen. Und der Therapie hätte ich am liebsten gleich die kalte Schulter gezeigt, um nicht mit ihr warm werden zu müssen. Meine Familie hätte die Eierschecke am liebsten sofort aufgegessen, um sie nicht schlecht werden zu lassen oder hätte noch lieber sofort eine neue in den Ofen geschoben, um nichts anbrennen zu lassen. Entbrannt war aber auch mein Interesse. Ich war Feuer und Flamme, obwohl mir dieses Thema zu heiß wurde. Es war keine zündende Idee, sich in Behandlung zu begeben. Es war nur ein Strohfeuer. Aber eins, dass in Brand gesteckt worden war und für das ich mich erwärmen und an dem ich mich wärmen könnte. Das mir die Wärme spenden könnte, dass ich brauchte, um mich ernst genommen zu fühlen. Denn das war es und das ist es. Aber ich wollte mein Leben nicht Aufarbeiten, während die anderen aufaßen. Nichts noch mal durchkauen oder wiederkäuen. Während sie das dritte Stück aßen, hatte ich seit drei Tagen nichts gegessen. Sie wollten die Eierschecke nicht länger aufbewahren und baten mir ein Stück an. Ich wollte meine Diät nicht wieder abbrechen und sie rieten mir eine Behandlung an. Es war das erste Mal, dass dieses Wort in unserem Hause fiel. Es fiel auf und es fiel weich. Es fiel auf, weil mein Bruder es in den Raum warf und es fiel weich, weil meine Mutter es auffing. Und es gefiel. Es gefiel so gut, dass es immer wieder fiel. Aber es ist verfallen. Seitdem die Eierschecke aufgegessen ist, ist auch die Therapie gegessen. Wie die Haltbarkeit eines Kuchens verfällt, so ist die Wichtigkeit einer Therapie verfallen.

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10.4.10 18:31

bisher 7 Kommentar(e)     TrackBack-URL


fragile.wings / Website (10.4.10 22:40)
Und doch spielt es keine Rolle, was andere vom Thema Therapie halten oder ob sie dich in Therapie sehen wollen. Wichtig ist einzig & allein deine Sicht auf die Dinge. Die Sehnsucht danach, ernstgenommen zu werden ist im Falle dieser Krankheit verständlich. Ein darauf spezialisierter Therapeut würde dir da in vieler Hinsicht besser tun, als die Distanz zwischen dir & deinen Nächsten, die durch die Krankheit geschaffen wird.
Darf ich fragen, ob du bereits in Therapie warst? Alles Liebe mein Schokoladenengel.


fragile.wings / Website (11.4.10 11:49)
Meine Liebe, auch wenn du sagst, dass es dir momentan gut geht & du dich auch dem richtigen Weg fühlst - es schmerzt zu lesen, dass du glaubst, es müsse einem erst 'schlecht genug' gehen, um in Behandlung zu gehen. Wir, die wir krank sind, können das sowieso nicht einschätzen, denn meist ist 'schlecht' in der Tat noch nicht 'schlecht genug'..
Wieder eine von sovielen Illusionen, um den Gedanken zu meiden, dass nicht man selbst die Krankheit kontrolliert sondern umgekehrt.
Ich weiß, dass du das weißt (:
Nur wünschte ich, dass dieses intelligente, kreative Schokoladenmädchen eine helfende Hand gereicht bekommt, die es verdient hat..
Alles alles Liebe <3


Black Rose / Website (19.4.10 18:19)
guten abend,
hmm ja du hast schon recht mit dem was du sagst, aber sobald ich mehr esse denke ich auch wieder, dass "der tag versaut ist" und beginne zu fressen.so wie ich es jetzt mache- ungefähr nach diesem plan- klappt es gut.und ja abnehmen möchte ich schon irgendwie.aber ich versuche es als hintergrundsziel zu halten.sind ja auch bloß 7kg, die auf jeden fall runtermüssen.mehr sieht bei mir schon abgemager aus (obwohl ich nur 1,69m bin).liegt wohl an meinem seltsamen körperbau...
ich bin froh, dass du nicht aufgehört hast zu bloggen.ich mag deine art zu schreiben.das hat etwas sehr besonderes.mach weiter so- aber passe auf mit dem hungern...das ist nicht gut und ich denke das weißt du auch...
wünsche dir alles liebe und gute


fragile.wings / Website (28.4.10 00:08)
.. mein Engel, ist alles okay?
Ich mach mir Sorgen, man hört nichts mehr von dir.
Ich denke an dich, Liebes.
*Herz.


lucymes (9.6.10 23:14)
Hey du,

lange nichts mehr von dir gehört/gelesen...wie geht es dir? Bist du vielleicht umgezogen?^^ Würde mich sehr freuen, wieder von dir zu lesen...und ein bisschen Sorgen mach' ich mir auch, wo du denn abgeblieben bist^^'
liebe grüße,
lucymes


Seelen.Spiel / Website (2.7.10 14:58)
Mich würde auch interessieren wie es dir geht. Ich vermisse deine schönen Einträge.

Alles Gute


mina (8.7.10 21:25)
hey =)
hoffe bei dir ist alles klar? schließe mich meinen vorschreiberinnen an, auch ich mach mir sorgen, da man nichts mehr liest... ich hoffe wirklich bei dir ist alles ok...
alles liebe, mina :-*

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