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...  die Süße des Verzichts  ...

*Diätschokolade*

...  der wahre Suchtstoff  ...

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Zu Beginn gab es nichts Süßes. Im wahrsten Sinne des Wortes. Die Süße, die verborgen im Verzicht keimte, hatte eine bittere Schale. Aber darunter befand sich ein so süßer Stoff, der süchtig machte. Meine Droge. Ich wurde süchtig nach der Droge des Gewichtsverlustes...

Ich glaubte, meine Ernährung umzustellen. Aber meine Ernährung stellte ich nicht um. Sie stellte mich um und brachte mich dazu, immer mehr von meinem Speiseplan zu streichen. Ich verzichtete anfangs nur auf die offensichtlich fettreichen Nahrungsmittel. Schokoladenbrotaufstrich. Dann auch Käse. Vom Brotbelag blieb nur noch die Margarine. Und selbst die  Butter ließ ich mir vom Brot nehmen: Sie verschwand eines Tages gemeinsam mit dem Brötchen und wart lange nicht wieder gesehen.

Meine ganze Konzentration galt Obst. Mit Obst assoziierte ich kalorienarm und gesund. Fettfrei sowieso. Es ließ sich meiner Ansicht nach einfacher und zeitsparender zubereiten als Gemüse, das aufgrund seiner enthaltenen Bitterstoffe auch geschmacklich weniger attraktiv war. Der Fruchtzuckergehalt interessierte hierbei nicht, die Erfolge auf der Waage waren Argument genug. So ernährte ich mich ausschließlich von Obst. Darauf reagierte mein Verdauungstrakt mit Durchfall. Aber wie ich mich an mein neues Essverhalten gewöhte, gewöhnte auch er sich.

Nur bevor ich zur Arbeit ging, erlaubte ich mir etwas mit höherer Energiedichte, da ich diese sofort verbrennen konnte. Ich aß Haferflocken. Bis ich mich irgendwann für Kalorientabellen zu interessieren begann und lernte, dass Haferflocken ungeahnt kalorienreich sind. Von da an habe ich bis heute keine mehr gegessen. An ihre Stelle trat eine trockene Scheibe Brot. Höchstens. Ohne Aufstrich. Ohne Belag.

Ich hungerte von Anfang an. Ab dem Tag, an dem ich mich entschied, eine Ernährungsumstellung zu vollziehen. Hunger konnte ich schon immer gut ertragen. Auch, weil ich ungern in der Öffentlichkeit aß. Wie gut ich Hunger ertragen konnte, erfuhr ich allerdings auch erst dann. Eigentlich hatte ich es nicht beabsichtigt. Ich glaubte, der Hunger würde immer mehr nachlassen, wenn der Magen beginnt, sich mit kleineren Portionen zufrieden zu stellen. Aber dieser Moment traf nie ein. Und so wartete ich vergeblich, während ich hungerte und während ich abnahm. Immer weiter abnahm.

Sättigung wurde eine Empfindung, die mein Körper nicht mehr erfuhr. Andere Menschen sind die meiste Zeit des Tages satt und essen, sobald sie hungrig werden. Bei mir war es andersrum. Ich aß nur soviel, dass ich den Hunger noch nach dem Essen verspürte. Setzte Sättigung ein, überkam mich ein negatives Gefühl. Das schlechte Gewissen, dass es zuviel gewesen sein könnte.

Trotz des Hungerns gab es in meinem Leben jedoch keinen einzigen Tag, an dem ich nichts aß. Das Wenigste, was ich zu mir nahm, war eine kleine Scheibe trockenes Brot. Es kam zwei-, dreimal vor. Manchmal waren es auch nur zwei Äpfel gewesen, aber nur, wenn es am Tag zuvor zuviel gewesen war. Wirklich zuviel gewesen war.

Man sah mir schnell an, dass mein Körper an Umfang verloren hatte. Und jeder, der es sah, wollte wissen, wie es passiert war. Mein Umfeld glaubte tatsächlich, ich hätte eine noch unentdeckte Möglichkeit gefunden, durch die ich auf geheimnisvolle Weise schaffte, was sie vergeblich versuchten. Ich habe nie gelogen. Ich erzählte, was ich aß. Nur nie, wieviel.  Aber danach wurde auch nie gefragt. Sie wollten es mir nachmachen, aber vergaßen die wichtigste Frage: Die nach dem Wieviel. Nur eins konnten sie fragen, ohne jemals eine Antwort zu erhalten: Wieviel ich wog. Mein Gewicht blieb mein Geheimnis. Bis heute. Nicht aus Angst, meine Leichtigkeit könnte sie erschrecken - ich wollte ihnen nie die Illusion rauben, dass ich dünner bin, als ich eigentlich war.

Hobby-Psychologen diagnostizierten bereits sehr früh Magersucht. Erstaunlich direkt wurde ich angesprochen, wohl gar nichts mehr zu essen. Aber das stimmte ja nicht. Ich hatte selbst bemerkt, dass ich längst über das Ziel hinaus geschossen war und nicht mehr aufhören wollte und konnte. Ich sah nur mein Recht darauf, auch endlich dünn und zierlich sein zu können. Wie die Mädchen, zu denen ich immer aufgesehen hatte. Ich klagte mein Recht darauf ein.

Ich zog Vorteile neben meiner immer schmaler werdenden Shillouette aus meinem neuen Essverhalten. Die Kontrolle darüber bedeutete mir am meisten. Ich bin von Grund auf ein Mensch, der Routine und Gewohnheiten braucht, vorrausseh- und planbar lebt für sein Wohlbefinden und seine Sicherheit und ich fand sie darin.

Ich konnte nicht mehr aufhören, abzunehmen. Sobald mein Wunschgewicht näher rückte, setzte ich mir ein neues Ziel und stufte das zu erreichende Gewicht immer tiefer. Ich dachte dabei nicht in kleinen Schritten, ich setzte es jedes Mal um fünf Kilo niedriger an. Ich wollte keine krummen Zahlen, ich wollte glatte Ergebnisse. Bald freute ich mich nicht mehr darauf, die angestrebten Zahlen auf der Anzeige der Waage stehen zu sehen. Denn mit dem befriedigenden Glücksgefühl stellte sich sogleich mein Lebenssinn ein. Mein Alltag war durch im Voraus geplante Mahlzeiten strukturiert und darauf ausgerichtet, am nächsten Morgen wieder weniger zu wiegen. Dafür lebte ich. Dieser neue Lebensinhalt ließ keinen Tag umsonst vergehen. Denn es war wieder ein Tag, der mich meinem Ziel näher bringen würde. Die Kontrolle über meinen Körper gab mir ein Gefühl von Sicherheit. Alles war vorhersehbar. Planbare Erfolgserlebnisse, die in Form von Zahlen jederzeit auf der Waage ablesbar waren. Aus den anerkennenden Worten der anderen zog ich die logische Schlussfolgerung, dass ich immer besser aussehen würde, je dünner ich werde. Und ich wollte selbst wissen, wie gut ich aussehen könnte.


... n  ä  c  h  s  t  e  s    S  c  h  o  k  a  p  i  t  e  l ...
 

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... die abgespeckte Diätversion ...

*Diabetiker-Schokolade*

Diabetes mellitus:    Krankheit mit Einhaltung von Diät

                    +

Schokolade:               Genussmittel   

                      =                        

                           krankhafter Genuss an diätorientierter Er-                            nährung

... unter dieser Rubrik ist veröffentlicht, welche bittersüßen Folgen eine Gewichtsabnahme hat und wie schnell es krankhafte Formen annehmen kann...

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( siehe SchokoladenMenue )